Born 1971 in Frankfurt/M, Germany, Anja Conrad grew up in Chicago and New York. In 1994 she received her BFA at the Art Institute of Chicago and in 1998 her MFA at the School of Visual Arts in New York. She returned to Frankfurt/M in 2000.
1998 - MFA Photography and Related Media, School of Visual Arts, New York, NY
1994 - BFA School of the Art Institute of Chicago, Chicago, IL
2011 - Under Clouds, Raum für Kultur of the Commerzbank, Frankfurt/M, Germany
Tür auf, Fenster zu (mit Martina Wolf), ein Projekt der Commerzbank, Frankfurt/M, Germany
2010 - Let’s get it on, recent works, curated by Anny und Sibel Öztürk,
KorridorGalerie,
AtelierFrankfurt, Frankfurt/M, Germany
2009 - Men at Work, Galerie Sebastian, Dubrovnik, Croatia
2004 - L’original, Galerie Perpétuel, Frankfurt/M, Germany
2002 - Déviation, Bee Hive One, Frankfurt/M, Germany
Perfect Icons, South London Holding Company, London, UK (public installation)
Asphalttapeten, Emerging Artists Program, Sammlung Essl, Klosterneuburg, Austria
Sensation des Alltäglichen, Museum für Kommunikation, Frankfurt/M, Germany
2011 - Associated, Open Source Gallery, Brooklyn, NY, USA
2010 - Männerkunst, a project by by Naneci Yurdagül, Interventionsraum, Stuttgart, Germany
2009 - Familientreffen, AtelierFrankfurt, Frankfurt/M, Germany
2007 - Black Mirror, High Energy Constructs, Los Angeles, CA, USA
2006 - Porträt der Straße, Fotografien aus drei Jahrhunderten, Kunsthaus Kaufbeuren, Kaufbeuren, Germany
2005 - Summer Group Show, Richard Sena Gallery, Hudson, NY, USA
2004 - Menschenbilder, Internationale Fotokunst aus der Sammlung Braus, Airport Gallery 1, Frankfurt/M, Germany
City Views, Galerie Christa Burger, München, Germany
2002 - The Ink Jetty, Neon Gallery, London, UK
New Artists, Marc Aitink, Amsterdam, Holland
1999 - Untold Stories, De Chiara/Stewart, New York, NY, USA
Soho Photo Gallery's 1999 National Photography Competition, curated by Larry Fink, New York, NY, USA
don’t let our youth go to waste, Visual Arts Gallery, New York, NY, USA (MFA thesis show)
American Photographic Institute, Tisch, New York, NY, USA
1995 - BFA show, Art Institute of Chicago, Chicago, IL, USA
1992 - Next Generation, Gallery 2, Chicago, IL, USA
2008 - The Pinch, Fall Issue, Volume 28, Isuue 2, University of Memphis (p. 118 – 119)
2002 - Literaturen, Die Amerikaner Kommen, 03 März 2002, Berlin (p. 10 – 23)
2001 - Anja Conrad, Sensation des Alltäglichen, Edition Braus, Heidelberg With a text by Klaus Honnef and Maureen P. Sherlock
Vol. XXXIV nr. 225 July-September Seite 124-125
Anja Conrad, Sammlung Essl, Austria
At first sight there is little spectacle in Anja Conrad’s photographs: they depict everyday sights such as people drinking or street advertisements. The banality of these motifs is in keeping with a long tradition; portraiture has been a genre since the beginnings of photography, and the cityscape has been a favorite subject for photography’s greatest masters, from Eugène Atget to Thomas Ruff. While that tradition could become a paralyzing burden, Conrad manages to find her own path within both fields, acknowledging and exploiting the significant difference between the human eye and that of the camera: “I propose to use photography in the search for further realities, trusting the shutter to reveal visual clues that the human eye can’t catch.”
What the human eye can’t catch — her images of billboards in particular such as Reaction — demonstrate Conrad’s understanding of that approach. While urban life with its numerous stimuli tends toward a numbing of attention and receptivity, thus preventing saturation, the artist uses her camera as a sensitive instrument to examine and reflect its surfaces and nuances. And so it is only through photography that public space becomes visible as a monstrous and heterogeneous collage of worlds differing in size and space. On the surfaces of large architectural bodies, towering over the camera placed on the ground, models appear larger than life; in their exhibitionistic attitudes they are distinct from the codes of ordinary behavior, representing utopias rather than seducing consumers. If photography is often thought of as mortifying, here it is used for a different purpose: to revive and present images — the daydream-like, ephemeral quality of reality, thus becoming a medium in a double sense: not only the bearer and vehicle of information, but also a permeable membrane between realities constituted by perceptions technically different, but equal in value. Friedrich Tietjen
Berlin Taz NR. 6656 vom 22.1.02 Seite 16
Bodenständig im Kinovormat: die Fotos von Anja Conrad
Anja Conrad verhandelt mit der Welt nicht auf Augenhöhe. Diesen zuletzt bei politikern wie ein Virus grassierenden Begriff scheint sie nicht zu kennen. Die junge Frankfurter Fotografin, die am Art Institute of Chicago studierte, stellt ihre Kamera gerne am Boden ab, wie man es eigentlich nur vom Film kennt. Ihr Blick kommt von ganz unten und bleibt oft ebenerdig. So sieht man Füße, Beine, Fußbodenleisten und Steckdosen, auf der Terasse abgestellte Weingläser oder Mädchen am Rand des Swimmingpools. Mit diesem Ansatz dreht sie dem klassischen Blick der 20er-Jahre-Avantgarde um: Statt in die Tiefe der Straße fotografiert sie von unten in den Himmel hinein, wo die Hausdächer im Blauen zusammenzustoßen scheinen. Anja Conrad fotografiert tatsächlich die “Sensation des Alltäglichen”, wie ihr Bildband heißt, der bei Edition Braus (Heidelberg 2001, 35 Euro) erschienen ist. Es ist ihr Gespühr für das Alltägliche im Kinoformat. Wbg
22. Juni 02 Seite 9
Anja Conrad
Sie blickt am liebsten auf die profansten Gegenstände, auf die unspektakulärsten Situationen oder auf das Allernebensächlichste. Beispielsweise auf eine slovenische Bierflasche in der Sonne vor wirren Textilmustern, aufgenommen aus der Tischperspektive. Oder auf eine Frau beim Auffrischen des Eiswürfel-Behälters, die allein durch die gewählte Aufsicht zu einer Art Eis-Heiligen wird. „Was du machst, das kann ich auch“, bekommt Anja Conrad dann oft zu hören. Sie antwortet darauf immer: „ja, genau, du kannst das auch“. Und die Künstlerin meint es gar nicht herablassend oder ironisch. Im Gegenteil, sie ist ja manchmal selbst ganz überrascht darüber, dass sie so schöne Bilder machen kann. Schließlich ist sie dafür auf einen der schwierigsten Partner überhaupt angewiesen: auf den geglückten Augenblick.
Machmal hilft sie ein wenig nach. Wenn ihr bestimmte Bewegungen gut gefallen haben, bittet sie ihre Modelle, die meistens aus ihrer Familie oder ihrem Freundeskreis stammen, diese oder jene noch mal zu wiederholen. Weil Anja Conrad mit einer sperrigen Mittelformat-Kamera fotografiert, kann sie nicht spontan reagieren. Trotzdem gelingt es ihr meistens, genau jenen Moment festzuhalten, der am Auge immer viel zu schnell vorbeizieht. Der vollkommene Bogen zum Beispiel, den eine Hose beim ausschütteln im Waschsalon schlägt. Oder die graziöse Kofferraum-Choreografie mit den Waschmittel Kanistern. Anja Conrad hält diese formschönen aber flüchtigen Sekunden fest. Ihre Kunst besteht darin, die Wirklichkeit so zu zeigen, wie wir sie nie sehen ohne dabei zu bluffen. Im Original lässt die seit zwei Jahren in Frankfurt lebende Fotokünstlerin, die in den USA aufgewachsen ist, immer den dünnen schwarzen Rand des Films mit auf den Abzug belichten. So stellt sie sicher, dass ihre Bildausschnitte auch ganz bestimmt genau so im Sucher der Kamera von ihr ausgewählt wurden, und nicht hinterher am Schneidetisch. Da könnte man schließlich auch aus den langweiligsten Motiven noch eine interessante Ecke heraus vergrößern. Doch das interessiert die Absolventin der New Yorker School of Visual Arts nicht. Anja Conrad entscheidet, während es passiert. So entstehen Bilder, die gleichzeitig eine große Ruhe und eine verwirrende Spannung haben. Die vieles Bekanntes enthalten und trotzdem eine seltsame Fremdheit bergen. Und die es manchmal schaffen, ein großes Gefühl in eine kleine Begebenheit zu bannen. Silke Hohmann